Hands-on TAG Heuer Carrera 1887

Die Carrera gehörte zu den Kult-Chronographen der 1960er Jahre. Die Carrera Panamericana Mexico, seinerzeit härtester Dauertest des Motorsports, stand beim Namen Pate. Eine moderne Neuinterpretation der Legende stellt die TAG Heuer Carrera 1887 dar. Schauen wir sie uns etwas näher an.

Manchmal sorgt meine Uhrenleidenschaft ja schon für peinliche Momente. Da sitze ich in einem Konferenzraum, irgendwo am Fuße des Taunus, und erblicke am Handgelenk meines Gegenübers dessen Armbanduhr. Meine Augen bleiben wie gebannt an diesem ‘Objekt’ kleben, was natürlich nicht lange unbemerkt bleibt.

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Nunja, es könnte dennoch schlimmer sein, denn ich sitze an diesem Tag bei TAG Heuer um die neue Monaco zu fotografieren und mein Gegenüber ist ein mindestens genau so großer Uhrenfan, wie ich es bin.

Die Uhr, die mich an diesem Tag so vollkommen unverhofft in ihren Bann zieht, hört auf den Namen TAG Heuer Carrera Calibre 1887 und ich freue mich, dass nach dem Shooting der schwarzen Monaco noch etwas Zeit bleibt, auch diese Schönheit kurz vor die Linse zu bekommen.

Diese Version des Heuer Klassikers Carrera ist weniger Sport- als vielmehr Anzuguhr. 43mm hat sie im Durchmesser und überzeugt durch ein großes klares Zifferblatt. Das Alligatorband ist grau und passt damit perfekt zum im Sonnenschliff gehaltenen Blatt. Besonders faszinierend sind die Zeiger und Indexe in Rotgold, die in wirklich ungeglaubter Perfektion farblich mit der Uhr harmonieren.

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Der einzige “Fremdkörper”, den ich ausmache, das ist die weiße Datumsscheibe. Die mag irgendwie nicht so ganz passen, wobei sie in der Realität dann doch weniger aufdringlich wirkt als dies auf den Fotos hier den Anschein haben mag.

Der Safirglasboden gibt den Blick auf TAG Heuers Automatikkaliber 1887 frei. Die Geschichte, die hinter diesem Werk steckt, ist übrigens ziemlich interessant. Das Werk ist eines der neuartigsten Hochleistungschronographenkaliber überhaupt, denn die Technik der meisten Chronographen auf dem Markt, vom Rolex 4130 und einigen wenigen weiteren einmal abgesehen, basiert ja noch immer auf Konstruktionen der 1970er und frühen 1980er Jahre.

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Das Kaliber 1887 hingegen fußt auf einer Konstruktion der späten 1990er Jahre. Und nicht etwa Zenith oder ETA standen hier Pate, sondern eine Firma namens SII. SII steht für Seiko Instruments Inc. und das Grundkaliber heißt dort TC78. An ihm hat TAG Heuer die geistigen Eigentumsrechte erworben und hierauf baut wiederum das Kaliber 1887 auf.

Die im Vergleich zum Ursprungskaliber grundlegend überarbeiteten bzw. neu entwickelten Schlüsselkomponenten wie Hauptplatine, Schwungmasse und Brücken werden von der TAG-Heuer-Tochter Cortech in Cornol im Jura gefertigt. Hier stehen moderne Schweizer Maschinen und Roboter für Stanz-, Fräs- und Schleifarbeiten mit Mikropräzision bereit, darunter auch der allererste Schweizer Roboter, der die 39 Lagersteine des Uhrwerks automatisch auswählt und einsetzt.

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Auf diese Art ist es möglich, ein Manufakturwerk zu konkurrenzfähigen Kosten zu produzieren. Die Endmontage des 320 Komponenten umfassenden 1887 erfolgt auf einem halbautomatischen Montageband bei TAG Heuer in Neuchâtel, genauer in La Chaux-de-Fonds. Automatisierte wechseln sich hier mit manuell bedienten Stationen ab, damit die vollständige handwerkliche Kontrolle gewährleistet bleibt.

Bei der Endmontage durchläuft jedes Werk eine strenge Qualitätskontrolle mit insgesamt 116 Messungen. Nicht ohne Stolz nennt TAG Heuer sein Calibre 1887 eine ‘neue Generation von mechanischen Schweizer Chronographenwerken höchster Qualität’.

Das 29,3 x 7,13 mm bauende 1887 arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und verfügt über eine Gangreserve von 50 Stunden.

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Warum aber heißt das Kaliber ‘Calibre 1887’? Der Grund ist der Schwingtrieb, der zusammen mit dem Säulenrad ähnlich wie Kupplung und Getriebe eines Autos funktioniert und einen Start des Chronographen in weniger als zwei Tausendstel Sekunden ermöglicht. Dieser Schwingtrieb geht zurück auf eine Konstruktion von Edouard Heuer, die erstmals im Jahr 1887 patentiert wurde.

Nun aber genug von Geschichte und Technischen Details und noch einmal kurz zurück zur Ästhetik der Uhr. Die ist, wie eingangs schon erwähnt, extrem gelungen. Die Form ist klassisch, schön, schlicht, erinnert mich ein wenig an IWCs Portugieser, wirkt dann aber durch die Form der Drücker und die langgezogenen Hörner wieder einen Tick sportlicher.

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Am Handgelenk kommt die Carrera Calibre 1887, Referenz CAR2013.FC6313, einfach nur brutal schön rüber. Immer wieder fasziniert mich dabei, wie wunderbar die Rotgoldziffern zum anthrazitfarbenen Zifferblatt passen und wie gut dazu wiederum der Farbton des Armbands, übrigens mit Faltschließe, gewählt wurde.

Faszinierend ist letztlich übrigens auch der Listenpreis. Dieser beträgt nämlich gerade einmal 5.000 Euro. Für einen Chronographen mit Manufakturkaliber ist das eine durchaus faire Ansage.

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Fotos: © TAG Heuer (2), PCS (5)

Text: © Percy Christian Schoeler (PCS) 2013

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